Eine schwierige Geburt oder Reifen aufziehen

Es sah alles so einfach aus.

Ivos Victor mal neu bereifen und fertig ist ein „Luftloser“.  Der amerikanische Vorbesitzer hatte einen „Reifen“ aufgezogen.  Eine Kreuzung zwischen Betonklotz und Gummiknüppel, der sich nur mit einer Zange in Stücke brechen ließ…
Ursprünglich waren sogenannte Cushion Tires verbaut. Dicke Vollgunmmireifen mit Zentralloch. Die sollten dem Gebißträger wohl  die Haftcreme ersparen – welche  bei so manchen  „Knochenschüttler“ notwendig ist. Im Gegensatz zum Hochrad bei dem das große Rad eine leichte Federwirkung hat, sind die kleinen Räder des Safety’s ja knüppelhart.
Cushion tires sind weder für Geld noch gute Worte aufzutreiben. Die 32 mm Vollgummireifen in Weiß gab es bei einem Fachmann in Nachbarland – extra angefertigt und verständlicherweise nicht eben günstig. Einen Kleinwagen hätte man für das Geld auch bereifen können 😉

Victor vor dem Reifenwechsel
Victor vor dem Reifenwechsel

Reifen schneiden
Als die Reifen geliefert waren stellte sich die Frage wie man diese dicken Gummiwürste schneidet – um sie auf die richtige Länge zu bringen. Die zeitgenössiche Literatur empfiehlt eine sehr dünne mit Wasser benetzte Messerklinge. Öl verbot sich von selbst da die Schnittflächen geklebt werden sollten.

Ein Sammler in der Nachbarschaft hatte uns aus einem Rohr eine Schneidlehre gebaut. Omas gute Tafelmesser aus rostendem Stahl lag bereit (rostender Stahl ist nach meinen Erfahrungen am Schärfsten).  Ungeduldig wie wir waren hatten wir ordentlich Druck angewendet, das Messer bog sich und prompt hatten wir in die  Lehre geschnitten. Eine Stufe an der Schnittstelle des Gummis und eine Scharte im Messer waren die Folge.

Die Lehre für dicke Gummis:  Etwas weniger Druck und im Zeitlupentempo schneiden. Ganz langsam wie in einen Kaugummi. Das ergibt den saubersten Schnitt. Gemäß der Tipps anderer Sammler hatten wir den Gummi schräg geschnitten um die Klebefläche zu vergrößern.

Jetzt kam der Ärger: das Victor Felgenbett ist besonders tief und die Felge hatte wohl ein sehr bewegtes Vorleben… Einfach gesagt – der Reifen passte nur mit viel Druck in die Felge:  zu zweit pressten wir ihn mit Schraubzwinge und Kabelbindern ins Felgenbett um die exakte Länge zu bestimmen – danach wurde der Reifenenden  direkt auf der Felge verklebt.

Schneilehre

Reifen verkleben
Die Reifen sollten laut Anleitung des Verkäufers mit Sekundenkleber an den Enden verklebt werden. Gesagt – getan. Zum Test hatten wir danach zu zweit aus Leibeskräften an der Klebestelle gezerrt. Das hält wie geschweißt (Wir verwendeten Pattex Gel – ca. 20 Sekunden verarbeitbar).

DSC02152

Das Ganze saß wirklich bombenfest – zumindest dachten wir so. Eine Probefahrt später sprang der Reifen fast von der Felge! Also wieder Reifen abgenommen und um 2,5 cm gekürzt, und neu verklebt. Neue Testfahrt unter HelgeFelges 102 kg Testgewicht. Nach 200 Metern der gleiche Ärger. Noch mal kürzen ? Mit derAngst im Nacken vielleicht den Reifen zu kurz zu schneiden und kein Ersatz rechtzeitig zu bekommen?

DSC02151

Aber dann die Erleuchtung: Die vorgeschädigten Ränder der Felgen sind elastisch ( Stahl  eben ) und verhindern daß  der Reifen fest im Felgenbett aufliegt. Sie wirken wie eine Feder welche die Gummiwurst aus dem Bett hebt. Also unterfütterten wir das Felgenbett mit dem harten Gummi des Vorgängerreifens und bohrten Speichenlöcher (das Victor hat Speichen mit Nippel!).
Es schien zu halten…

DSC02158

Das Elend geht weiter
Leider änderte sich die Situation rund um den hinteren Reifen abermals und langsam keint der  Verdacht auf dass sich der Reifen während der Testfahrten längte (der vordere Reifen saß unverändert stramm). Auf Nachfrage bei Kollegen bestätigte sich der Verdacht..

Fazit:
Eigentlich ist Ivo der Fahrer… und selbst hab ich noch genug zu tun mit meinem Rotary… also hab ich ihm das Rad  übergeben, soll er sich mal drum kümmern 😉

Nachtrag :
Es scheint mir sinnvoll die dicken Reifen direkt auf die Felge zu verkleben,  selbst wenn sie anscheinend zuerst auf der Felge halten. Ansonsten wandert ein guter Teil der Antriebsenergie in die Walkarbeit. Was nicht nur den Fahrer schlaucht sondern durch die damit verbundene Erwärmung den Reifen weiter längt und damit den Rollwiederstand nochmals erhöht.

Und:
Edelstahl Kabelbinder sind bestellt. Als Helfer in der Not. Die scheuern auf der Straße wenigstens nicht gleich durch…

HelgeFelge

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: