Durchs Etschtal nach Verona

Der zweitlängste Fluss Italiens, die Etsch, entspringt am Reschenpass in den Ötztaler Alpen. Folgt man ihr durch Südtirol, vorbei an Meran und Bozen, kommt man nach Verona. Die Etsch mündet dann südlich von Venedig in die Adria.

Tag 1: Startpunkt meiner Tour ist Nauders, von wo aus man nur 150 Höhenmeter überwinden muss um um den auf 1500m Seehöhe gelegenen Reschenpass zu erreichen. Ich setze meine Maschine, ein Safety gebaut von Thomas Smith and Son 1890 in Birmingham, am Dorfbrunnen zusammen und mache mich auf den Weg. Bald ist der Reschensee erreicht und immer am Ufer entlang geht’s nach Graun. Der alte Kirchenturm des durch den Bau des Stausees überfluteten Dorfes ragt noch einsam aus dem Wasser.
Am Haidersee biegt man rechts ab und kommt auf einen Radweg der durch kleine Dörfer steil bergab führt. Mit den Füßen auf den Fußruhen rollt man rasch dahin. Auch Gefälle von 19% sind kein Problem – das Safety trägt seinen Namen zu Recht.
Über Mals und Glurns kommt man nach Prad am Stilfserjoch. Weiter geht’s flach durch die Obstplantagen des Vinschgaus und entlang der Etsch. An der Radbar in Staben, einem Etablissement zur Verpflegung müder Velocipedisten direkt am Radweg, werde ich mit Bier und Eis versorgt – vielen Dank! Vor Meran geht’s durch einige Kehren eine Steilstufe, Töll genannt, hinunter. Nach einem Besuch in der Stadt fahre ich zu meiner Unterkunft, dem Schloss Pienzenau, das auf einem Hügel bei Meran liegt. Die Zypressen und Palmen im Schlossgarten verbreiten schon mediterranes Flair.

Tag 2: Ausnahmsweise bekomme ich schon um 7 statt um 8 Uhr Frühstück – die freundliche Dame die es zubereitet ist schon früher gekommen, um am Abend die Hochzeit von Prince Harry in England mitverfolgen zu können. Um 7:30 Uhr mache ich mich auf den Weg nach Bozen. 30 Kilometer sind es bis dorthin. Unterwegs treffe ich Karl aus Meran, der mir den Weg ins Stadtzentrum zeigt – vielen Dank! Pünktlich um 9 Uhr komme ich an, um am Treffen der Associazione Italiana Velocipedi teilzunehmen. Nach der Besichtigung des Merkantilmuseums werden wir vom Veteran Car Team Bozen zum Essen eingeladen – vielen Dank an Davide und seine Helfer! Leider fängt es am Nachmittag zu regnen an und die gemeinsame Ausfahrt wird ins Merkantilmuseum verlegt. Nach einem Interview mit einem koreanischen Fernsehteam kann ich mich dann schon etwas früher als geplant auf die Weitereise machen.
Bei der Gelegenheit biege ich bei Siegmundskron auf den Bahntrassenweg nach Kaltern ab. Das ist zwar etwas länger und es geht ein Stück bergauf aber wenn es schon regnet nehme ich lieber den abwechslungsreicheren Weg. Oben angekommen bin ich dem Regen entkommen – die Wolken ziehen durchs Etschtal. Fortes fortuna adiuvat – dem Tüchtigen ist das Glücke hold. Von Kaltern geht es wieder bergab, vorbei am Kalterer See, zurück zur Etsch, die ich wieder überquere. Mein nächstes Etappenziel, Auer, ist erreicht.

Tag 3: Vor der Abfahrt an diesem Morgen muss der Reifen des Hinterrads gekürzt werden. Eine mühsame Angelegenheit, die unnötig Zeit verschwendet. Ich sehne mich nach englischen Reifen mit Innenspirale… Endlich kann es weitergehen und nach einigen Minuten erreiche ich Neumarkt mit seinen schönen Laubengängen. Es scheint der ganze Ort in der Kirche versammelt zu sein. Das Rad an die Kirchenmauer gelehnt kann ich ungestört das Tretlager, das sich ohnehin gelockert hat, demontieren, um es vom Schmutz, der sich am Vortag angesammelt hat, zu reinigen.
Mit Rückenwind erreiche ich bald die Salurner Klause, wo sich die deutsch-italienische Sprachgrenze befindet. Bald darauf komme ich nach Trient, der Hauptstadt des Trentino. Hier findet ein Umzug mit Kostümen aus vielen verschiedenen Ländern statt – ein buntes Spektakel! Nach einer Runde durch die Altstadt fahre ich weiter, doch bei der nächsten Rast sehe ich, dass sich die Klebestelle des Reifens gelöst hat. Gut das ich einige Stücke aufgehoben habe, womit der Schaden sogleich instandgesetzt werden kann.
Von einem kurzen Regenschauer, der durchs Tal zieht, lasse ich mich nicht aufhalten, komme ich doch nach wenigen Minuten schon wieder ins trockene. Früher als gedacht erreiche ich Mori: Nur noch 17km nach Avio, meinem heutigen Ziel aber auch nur 13km zum Gardasee, lese ich auf einem Schild. Da es erst 15 Uhr ist, sollte der Umweg kein Problem sein. In Mori mache ich Rast. Während ich darauf achten muss, dass mir ein frecher Vogel nicht das Essen stiehlt, werde ich von einem Einheimischen mit hervorragendem Wein versorgt – mille grazie! Sein Schwiegervater betreibt ein Restaurant in Linz, also werde ich meinen italienischen Freund bald wieder sehen! Nach 2 Gläsern darf ich dann auch wieder weiterfahren.
Der Passo S. Giovanni muss noch erklommen werden und kurz darauf erreiche ich schon den Gardasee. Von der Tereasse des Al Fortino in Nago-Torbole aus genieße ich die Aussicht über den See. Kaum stelle ich meine Machine ab, drückt mir der Kellner schon ein kühles Bier in die Hand – was will man mehr? Grazie! Nach dieser Erfrischung geht’s wieder zurück nach Mori und weiter an der Etsch entlang: Ein paar Regentropfen erwischen mich aber sonst problemlos erreiche ich kurz nach 20 Uhr Avio. Ich freue mich nach 117km an diesem Tag schon auf eine Pizza!

Tag 4: Am letzen Tag sind nur noch 55km zu bewältigen. Kurz vor 8 Uhr verlasse ich Avio. Auf schmalen Wegen durch Weingärten komme ich zur Veroneser Klause. Hier geht es über einen Hügel – die einzige größere Steigung der Strecke. Auf der anderen Seite kommt man an einen Kanal, dem man bis Verona folgt. Ich komme schnell voran und um 11:30 Uhr erreiche ich mein Reiseziel. Genug Zeit für eine Stadtrundfahrt – um 15 Uhr geht mein Zug nach Innsbruck. In einer ruhigen Nebenstraße entdecke ich ein Restaurant, dass in einer alten Kirche eingerichtet ist – ideal um vor der Heimreise noch eine Mittagsrast einzulegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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